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Denn sie wissen (nicht) immer, was sie tun.

Positionen einer jungen Kunstpädagogik

Robert Hausmann und Matthias Laabs

* Alles kann Gegenstand des Kunstunterrichts sein: Aktuelle kulturelle Phänomene, Medienereignisse, Aktivitäten im Netz, Social Media, Pop, Hypes und Moden, philosophische und soziologische Diskurse, Müll, Leid und Tod, Subversion und Fake, Games und Re-enactments, Exploration, Experiment …

* Die Erzeugung von Anomalien, die Abweichungen von der Regel, das sind jedoch jene Störungen, die besonders Kunst bieten kann.

* Bildung braucht störende Situationen, in denen die eigene Welt- und Selbstsicht neu befragt wird.

* Der Grabenkampf um die Paradigmen „aktuelle Kunst“ und „Bildorientierung“ interessiert uns nicht.

* Die Probleme in unserer Generation sind viel mehr die Diskrepanzen zwischen dem Up-to-Date-Sein und tatsächlichem pädagogischen Handeln, die Flucht in Traditionen, Sicherheiten, in längst ausgediente (kunst-)pädagogische Konzepte und in das Verlangen nach einer Definition von Kunst.

* Wir leben mit Ungewissheiten und lassen Schüler daran teilhaben, „[…] In der Weise, dass sie aushalten können, dass nicht immer alles, aber immer etwas anderes möglich ist.“[1]

* Lernen heißt filtern: Wir sind nicht allwissend, keine Allrounder und Experten, sondern wissen wo, wann und wie wir Informationen beziehen.

* Eindeutige Weltsichten sind out, alles ist auf eine eigene Art „Bild“ geworden.

* Wir brauchen keine Abgrenzungen zwischen analog und digital, virtuell und physisch oder gar real und fiktiv: Alles ist lebendige Wirklichkeit!

* Kunst- und Medienpädagogik sind zweieiige Zwillinge.

* Alle Medien sind Bestandteil des Kunstunterrichts, im Besonderen das Netz als für uns lebenswichtige Komponente.

* Scharfe Trennungen sind Vergangenheit.

* Schule ist oftmals ein Ort der Distanz, ein Elfenbeinturm, der die Welt zu beobachten oder zu simulieren versucht.

* Fahrt eure Firewall herunter, steigt die Treppen herab und werdet Teil dieser unbeobachtbaren Welt.

* Unsere Szenarien spielen nicht mehr in der „modernen Organisation von Zeit und Raum in geschlossenen Settings (Fabrik, Schule, Familie usw.), zwischen denen es feststehende Interaktionsmuster gibt und in denen der Mensch positioniert ist“, sondern „das unternehmerische Selbst […] Bewegt sich in ‚Netzwerken’.“[2]

* Wir recyceln, nutzen das Verbrauchte, um Innovationen zu fördern, anstatt in der Feedback-Schleife gefangen zu sein.

* Wir folgen einem Hype nach dem anderen, ohne immer zu wissen, was wir tun.

* Spaß haben bedeutet kein „Larifari“, sondern mit Lust und Ironie in der Welt zu sein.

* Wir handeln situativ und (un-)geplant.

* Nicht alles muss begründbar sein.

* Nicht alles ist unergründlich offen.

* Didaktische Vorgaben, extern gesetzte Standards und Richtlinien sind für uns lähmende Erscheinungen eines Faches, das vergleichbar wird und sich auf rettende Inseln im Ozean des Nichtwissens zu flüchten versucht.

* Wir aber schwimmen im Pool der Möglichkeiten und sind bereit, sie zu nutzen.

* Zukunft muss Gegenwart werden und Selbstironie zur pädagogischen Wirklichkeit.


[1] Karl-Josef Pazzini: Kunst in der Schule? In: Lemke / Meyer / Münte-Goussar / Pazzini / Landesverband der Kunstschulen Niedersachsen: sense&cyber. Bielefeld 2003, S. 303-309, S. 309.

[2] Jan Masschelein / Maarten Simons: Globale Immunität oder Eine kleine Kartographie des europäischen Bildungsraums. Zürich-Berlin 2005, S. 34.

Literatur

Jan Masschelein / Maarten Simons: Globale Immunität oder Eine kleine Kartographie des europäischen Bildungsraums. Zürich-Berlin 2005.

Karl-Josef Pazzini: Kunst in der Schule? In: Lemke / Meyer / Münte-Goussar / Pazzini / Landesverband der Kunstschulen Niedersachsen: sense&cyber. Bielefeld 2003, S. 303-309.

Die Positionen veröffentlichten wir  zuerst im Buch Shift. #Globalisierung #Medienkulturen #Aktuelle Kunst, Schriftenreihe Kunst Pädagogik Partizipation: Buch 01. München 2012 und auch als Give-Away auf dem BuKo12-Abschlusskongress in Dresden 2012.

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Recycle your Brain! Über Störungen durch aktuelle Kunst.

Text & Foto: Robert Hausmann

Der Biennale-Scan
Zwischen den klassischen Medien – Video, Installation, Malerei und Fotografie – suche ich erfolglos nach den Neuen auf dieser 54. Venedig-Biennale. Vergnügen (bei Franz West zum Beispiel oder Haroon Mirza, bei Speech Matters (Dänischer Pavillon), bei Christoph Schlingensief, dem Package von Melanie Smith oder jenes Vergnügen den Kunst-Discounter des Italienischen Pavillons zu besichtigen u.a.) und sehenswerte Videoarbeiten sind schneller zu finden. Alt steht neben jung, das Unfertige bricht das Überhöhte, der Trash züchtigt den Ernst. Keine Sorge, mir gefällt dieses Nebeneinander. Der kleine, abgedunkelte Vermittlungsraum im Arsenale wirkt allerdings weniger einladend. Und im Museumsshop des Zentralen Pavillons stoße ich auf ein Buch, das mir zu Denken gibt, Ästhetik der Interpassivität von Robert Pfaller. Besteht ein Zusammenhang zwischen dieser Biennale und jenem Buch?

„Manchmal frage ich mich, ob das jetzt Kunst ist.“ (Kommentar aus einer Gruppe von Kunstpädagogikstudierenden. VerfasserIn anonym.)
Grundlagen dieses Textes bilden Kommentare Studierender, die ich während der Rezeption aktueller Kunst auf der Biennale sammle. Ich muss davon nachhaltig beeindruckt worden sein, sonst würde ich hier nicht darüber schreiben. Es klingt abstrus, aber ich benutze die Äußerungen, weil sie für mich in ihrer blockierenden Ehrlichkeit grundlegende Ansichten einer zeitgemäßen Kunstpädagogik in Frage stellen. Manchmal sind das Einzelfälle, von Generalisierungen möchte ich nicht sprechen und dennoch wird man kräftig durchgeschüttelt. Meine Überlegungen, ich gebe es zu, bieten lediglich Impulse.
Jeder stellt sich wahrscheinlich manchmal diese Frage, ob das jetzt Kunst sei, aber die Auseinandersetzung darf damit nicht enden. Tiefgreifendere Fragen müssen her. In Ausstellungen aber, und das ist ein systemimmanenter Mechanismus oder Automatismus, bestimmen andere (zum Beispiel KünstlerInnen, KuratorInnen, KunstwissenschaftlerInnen, GaleristInnen), was Kunst ist. Die Biennale von Venedig ist dafür noch ein klassisches Beispiel. Wir dürfen also getrost sein, dort topaktuelle Kunst zu sehen. Ein Quantum Neugier gehört bei ihrer Wahrnehmung aber ebenfalls dazu, wie eine geistige Reflexivität, eine offene Haltung gegenüber Unbekanntem und die Fähigkeit Situationen auszuhalten.

Mike Nelsons I, Impostor

„Das ist nicht echt!“ (Kommentar, VerfasserIn anonym.) Der diesjährige Britische Pavillon ist ein Labyrinth, verschachtelt, fast jeder Winkel ist begehbar. In verschieden gebauten Räumen liegen auf Tischen und Schränken zufällig und geplant positionierte Gegenstände. Flaschen stehen herum, ein in der Wand eingelassener Ventilator dreht sich, ohne die Luft auch nur spürbar zu bewegen. Der Keller bleibt ein Geheimnis, der konstruierte Innenhof wirkt orientalisch, die gebauten Treppen verleiten, sie zu betreten. Einige Räume erinnern an Dunkelkammern, in denen Fotografien an Stricken aufgereiht sind. Da raunt es plötzlich: „Gibt’s hier auch ’ne Erklärung?“ (Kommentar, VerfasserIn anonym.)

Nachfragen
Am Anfang steht immer eine Frage. Eine Situation im Supermarkt, ein Ausstellungsbesuch, das Agieren im Web, ja, jede Forschung braucht Fragen. „Sie sind Motor und Motivation, etwas für sich zu erarbeiten, um es auch für andere sichtbar und erfahrbar zu machen.“ (Kämpf-Jansen 2000, S. 274-277.) Eine gute Frage sucht nach Möglichkeiten und nicht nach einer Antwort, sie kann Stand halten. Eine gute Frage braucht Zeit. „Weil Fragen stellen, ist das Schwierigste – über unsere Welt. Wenn man gute Fragen stellen kann über seine Welt, das bedeutet, dass man seine Welt versteht.“ (Jan Hoet: Was bedeutet Kunst für Sie persönlich? In: http://www.fragen-zur-kunst.de/#p3, Zugriff am 25.8.2011.)

Kunstvermittlung als Recycling
Vermittlung, insbesondere von Kunst, hat immer auch etwas von Recycling – sollte sie jedenfalls, wenn sie zeitgemäß ist. Denn was aus Vorhandenem in Prozessen entwickelt wird, ist ungewiss. Bei aktueller Kunst ist das ähnlich. Recycling ist zumindest seit Duchamp generell anerkanntes künstlerisches Prinzip. Neues wird nicht aus dem Nichts geschaffen, es besteht „[…] immer aus Altem, aus Zitaten, Verweisen auf die Tradition, Modifikationen und Interpretationen des bereits Vorhandenen.“ (Groys 1992, S. 67.) Darin liegt auch der Ursprung ‚echter’ Kreativität.
Schon längst lässt die Non-Stop-Produktion dieses Neuen die Grenzen zwischen Leben, Kunst und Vermittlung verwischen. „Nicht mehr nur der fertiggemachte Alltagsgegenstand oder der reale Erlebniszeitraum sind Material für künstlerisches Handeln, die gesamte gesellschaftliche Wirklichkeit wird als Readymade in die Werke mit einbezogen.“ (Voermanek, Wißmann 2004, S. 18.) In diesen sich ständig überlagernden virtuellen und physischen Räumen produziert Vermittlung „[…] als eigenständige Praxis Möglichkeiten des intervenierenden Umgangs mit der Kunst und ihren Institutionen, empowert, dekonstruiert.“ (Settele 2010, S. 183.)
Gemeinsam können aktuelle Kunst und deren Vermittlung dann jenes unförmige und subversive Paket mit der Aufschrift „Danger“ bilden, das beim Öffnen ein nervös zuckendes „Help me“ aufblitzen lässt. Diese Repression kann beängstigen. In derartigen Situationen werden des Öfteren folgende Fragen zitiert: Was soll das? Muss ich das verstehen? Ist das jetzt Kunst? Und genau in diesen Momenten scheint das Paket gänzlich explodiert zu sein, Ziel erreicht, mitten ins Schwarze – in das Unbekannte, in das Unverständnis und Unvermögen, eigenes Nichtkönnen und Nichtwissen produktiv umzusetzen. Wissen und Können nützen weniger, wenn man nicht gelernt hat „[…] etwas zu tun, wenn man ansonsten nichts tun kann. Nur wer weiß, was man tut, wenn nichts zu machen ist, verfügt über hinreichend effiziente weiterlaufende Lebensspiele, die ihm dabei helfen, nicht in auflösende Panik oder seelentötende Starre zu verfallen.“ (Sloterdijk 2010, S. 13.)
Gute aktuelle Kunst bietet keine Sicherheiten. Die Frage nach ihrer Kunstwürdigkeit ist ein wiederkehrendes Phänomen, auch im kunstpädagogischem Studium. Kunst sei nicht witzig, „[…] sie hat etwas Stolzes und Schönes und Ernstes zu sein – dieser Nimbus umgibt sie noch immer. In der Musik, der Literatur oder im Film gehört das Vergnügen selbstverständlich dazu; in der Kunst aber gilt oft das protestantische Ethos von Arbeit und Anstrengung. Kunst muss wahr sein, und das Wahre ist nicht lustig.“ (Rauterberg 2007, S. 222f.)
Wie kommen wir da weg? Und wo kommen wir dann hin? Die Potenziale des Neuen in der Kunst (z.B. Augmented Reality, Postirony, Fake, Cultural Hacking oder Cultural Jamming), die Errungenschaften der Kunst-, Bild-, und Medientheorie sowie neuer kunstpädagogischer Konzepte bleiben ungenutzt, wenn sie keine vollständige Übertragung erfahren oder einer Ich-tue-so-als-hätte-ich-es-verstanden-damit-der-Dozent-zufrieden-ist-Mentalität zum Opfer fallen. Besser wir streiten darüber, aber dann richtig!

Gebrauchshinweise
Im Folgenden erlaube ich es mir – einer auflösenden Panik vorbeugend – Hilfestellungen zu geben, die Repressionen beim Kontakt mit aktueller Kunst vermeiden können. Diese Schritte sind keineswegs neu, Kunstpädagogikstudierende kommen damit im ersten Semester in Berührung. Wer also genug davon hat, möge sie überspringen. Sie sind vielzitiert und Grundlage jeder aktiven Annäherung, dennoch gerät folgendes Kompendium allzu schnell in Vergessenheit:
Sie nehmen Kunst wahr. Bleiben Sie ruhig. Lassen Sie Ihre eigene Unfähigkeit zu. Sie haben Zeit. Stellen Sie eine, wenn auch nichtige Frage. Nur eben nicht die Frage, die alles im Keim erstickt: Ist das Kunst? Suchen Sie sich einen Punkt in der Arbeit, der Sie anspricht, Sie an etwas erinnert, ja sogar anfixt, Sie zum Lachen bringt, Sie nachdenklich stimmt, euphorisch zum Stift greifen lässt, um irgendetwas niederzuschreiben. Ist es die Materialität? Das Medium? Welchen Inhalt könnte die Arbeit besitzen? Können Sie sich zur ihr in Beziehung setzen, einen Platz oder eine Rolle darin einnehmen? Was wäre das? Warum könnte sie Teil dieser Ausstellung sein? Kennen Sie die Künstlerin oder den Künstler dieses Werkes? Wenn nicht, dann ist es nicht weiter von Bedeutung. Googeln Sie sie oder ihn aber spätestens zuhause. Könnten Sie die Arbeit jemandem beschreiben? Dann senden Sie doch eine SMS oder Email, twittern Sie die Arbeit oder posten Sie ihre Gedanken auf Facebook. Machen Sie etwas, trauen Sie sich, Sie haben nichts zu verlieren.

Chancen
Das Ziel der Kunstvermittlung und Kunstpädagogik ist die Partizipation an jenen Diskursen, Störungen und Fremdheitserfahrungen, die aktuelle Kunst eröffnet. „In einer Vermittlungssituation gilt das für alle Teilnehmenden. Das Wissen, dass Subjektivität im Blick notwendig ist, um aus dem Feld heraus überhaupt eine Perspektive zu entwickeln, impliziert, dass auch ein Vermittelnder in geglückten Vermittlungssituationen mit ‚anderem’ konfrontiert wird […] Dabei geht es nicht unbedingt immer um Neuerfindung, aber um die Aufmerksamkeit für Grenzverschiebungen.“ (Heil 2007, S. 340.) Das Ästhetische oder das Wahrnehmbare ist immer »ein Zugang, ein Ende […] ein Moment von Bildung.« (Pazzini 2003, S. 275-285, S.278.) Bildung ist der Prozess des Infragestellens hergebrachter und des Ausprobierens neuer Ordnungsmuster. (Vgl. Kokemohr 2007, S. 13–68, S. 14.) Eine Bildung, die sich auf aktuelle Kunst bezieht, will nicht die Wirklichkeit abbilden, es geht viel mehr »um den notwendigen, spannenden Prozess Wirklichkeit zu destruieren und zu konstruieren.« (Pazzini 2003, S. 285.) Wenn dieser psychische Vorgang als Recycling verstanden wird, dann ist aktuelle Kunst ein Katalysator.

Die ReBiennale

„Schwärme von Kunsttouristen; jede Menge Kunst, Material und Künstler. Und am Ende bleibt dann meist ein riesiger Kunstabfallhaufen zurück.“ (derstandard.at, veröffentlicht 02.06.2011.) Um die „Abfälle“ der Biennale kümmert sich seit einigen Jahren das Non-Profit-Unternehmen ReBiennale, eine Gruppe von Aktivisten, Kunst- und ArchitekturstudentInnen, die die Überreste der Biennale für Kunst- und Architekturprojekte recyceln. Da keine Lagerräume existieren, wird bereits zu Beginn eine Datenbank erstellt, in der die Materialien verzeichnet werden. Interessenten können dann direkt vom Ausstellungsgelände abholen, was sie reservieren. Aber auch aktuelle Arbeiten der Biennale profitieren davon. Mike Nelson zum Beispiel wurde dort für den Einbau eines türkischen Dorfes in den Britischen Pavillon fündig.

Lasst uns auch recyceln!

Der Text erscheint im Biennale-Katalog 2011 des FB Kunstpädagogik der TU Dresden.

Literatur:

Boris Groys: Über das Neue. Versuch einer Kulturökonomie. München 1992.

Christine Heil: Kartierende Auseinandersetzung mit aktueller Kunst. Erfinden und Erforschen von Vermittlungssituationen. München 2007.

Helga Kämpf-Jansen: Ästhetische Forschung – Fünfzehn Thesen zur Diskussion. In: Dies.: »Ästhetische Forschung. Wege durch Alltag Kunst und Wissenschaft – Zu einem innovativen Konzept ästhetischer Bildung«. Köln, 2000.

Rainer Kokemohr: »Bildung als Welt- und Selbstentwurf im Anspruch des Fremden. Eine theoretischempirische Annäherung an eine Bildungsprozesstheorie«, in: Koller, Hans-Christoph; Marotzki, Winfried; Sanders, Olaf (Hg.): Bildungsprozesse und Fremdheitserfahrung. Beiträge zu einer Theorie transformatorischer Bildungsprozesse, Bielefeld 2007.

Karl-Josef Pazzini: Alle Bildung ist ästhetisch. In: Lemke, Claudia, Meyer Torsten, Münte-Goussar Stephan, Pazzini Karl-Josef (Hg.): sense & cyber. Kunst, Medien, Pädagogik. Bielefeld 2003.

Hanno Rauterberg: Und das ist Kunst? Eine Qualitätsprüfung. Frankfurt am Main 2007.

Bernadette Settele: Vermittlung. In: Com&Com: Lexikon zur zeitgenössischen Kunst. Sulgen/ Zürich 2010.

Peter Sloterdijk: Das Zeug zur Macht. In: Ders., Sven Voelker: Der Welt über die Straße helfen. Designstudien im Anschluss an eine philosophische Überlegung. München 2010.

Eva Voermanek, Silke Wißmann: Wie geht Kunst? Künstlerische Prozesse bei Schülern und Lehrern. Kassel 2004.

Flurgespräche 9

Call for Ideas!

Unter dem Titel »Transitraum. 1 Tag – 1 Ort – 1 Aktion« finden die 9. FLURGESPRÄCHE vom 4. – 8. Juli 2011 täglich von 10-15 Uhr statt. Dafür wird auf der Wiese vor der ABS 20 ein Raum aufgebaut. Täglich wechselnd soll dieser Raum von Montag bis Freitag bespielt werden. Die FLURGESPRÄCHE wollen damit zu einer Aufwertung des Uni-Standortes ABS20 beitragen und Anstöße für zukünftige Projekte an diesem Standort liefern.

Studierende und Lehrende sind aufgerufen, sich mit einem Konzept zu bewerben, das sie einen Tag lang in diesem Raum umsetzen wollen. Alles kann zum Anlass genommen werden! Der Raum bildet lediglich den Rahmen.
Bewerbungen bitte mit drei Sätzen zum Konzept bis zum 28. Juni an flurgespraeche@gmail.com. Bei mehr als 5 Bewerbungen entscheidet das FLURGESPRÄCHE-Team.

Der Raum hat eine Größe von 2 x 4m. Er besitzt kein Dach. Die Wände haben eine Höhe von 1,8m und bestehen aus einem Holzgerüst, das von innen fast vollständig verglast und somit transparent ist.

Termin: 4.-8.07.2011 täglich von 10 bis 15 Uhr
Wiese vor der August-Bebel-Straße 20, Dresden
Institut für Kunst- und Musikwissenschaft, TU Dresden

In drei Minuten

Die 7. Flurgespräche unter dem Titel »Hallo Welt!« waren mit ihrem neuartigen Gesprächsdesign ein voller Erfolg. Nach der Vorstellung des Projekts »ZwischenPunktMenschen« durch Alrun Krauß war das Publikum gefragt, in drei Minuten eigene Beiträge zu liefern. Es wurden kurze Videoclips gezeigt, Tagebucheinträge des Jahres 1986 über Tschernobyl und seine Auswirkungen vorgetragen, die Anwendung eines Nikotinpflasters gezeigt, performativ interagiert und dabei der Flur unter Wasser gesetzt, Sammelfiguren vorgestellt, 46 Musikstücke in drei Minuten abgespielt oder die große Pro-Anti-Welle aktueller politischer/ökologischer/wirtschaftlicher Strömungen in einer drei-minütigen Aufzählung gefoppt. Die Mischung zwischen Spaß und Ernst war kennzeichnend.

»Nehmen Sie an, die Sintflut fällt unter Blitz und Donner vom Himmel auf Ihr Blätterdach, dann können Sie, wenn sich das Unwetter überhaupt überstehen lässt, es besser überstehen, wenn Sie ein Lied für den Wettergott rezitieren. Es ist nicht wichtig, dass Sie selber Wetter machen können, – auch die modernen Techniken reichen noch nicht ganz bis dorthin -, sondern dass Sie eine Technik kennen, bei schlechtem Wetter in Form zu bleiben; es muss in Ihrer Kompetenz liegen, auch dann etwas zu tun, wenn man ansonsten nichts tun kann. Nur wer weiß, was man tut, wenn nichts zu machen ist, verfügt über hinreichend effiziente weiterlaufende Lebensspiele, die ihm dabei helfen, nicht in auflösende Panik oder seelentötende Starre zu verfallen. Gekonntes Nichtkönnen stiftet eine Art Leerlaufverhalten oder einen Parallelprozess, in dem das Leben auch in Gegenwart des Ohnmächtigmachenden weitergehen kann.« (Peter Sloterdijk, Sven Voelker: DER WELT ÜBER DIE STRAßE HELFEN. Designstudien im Anschluss an eine philosophische Überlegung. München 2010, S. 13.)

»DER WELT ÜBER DIE STRAßE HELFEN«. Dieser Satz impliziert ein Provisorium, etwas Gebautes, etwas Hinkendes, er steht für Kreativität (im ursprünglichen Sinn, als die Schaffung von etwas Neuem aus etwas Altem, nicht das heute häufig missbrauchte Wort für ›hübsche‹ Tonklumpen oder Sparkassen-Vorraum-Kunst u.a.), er ist eine Ironie und in gewisser Weise sarkastisch. Ein Witz für den Fortschritt. Jede/Jeder kann der Welt über die Straße helfen. So könnte der Titel dieses Buches aber auch zum Slogan avancieren oder mutieren. Ein wunderbarer Titel. Stellen wir ihn uns in einer Werbung vor, für das ultimativ Neue oder Andere, für eine Entscheidung, ein Produkt, für Protest, eine Technik oder Technologie, für einen ökologischen/ökonomischen/politischen oder sozialen Fortschritt oder eine Veränderung: »Heute haben wir der Welt aber wieder über die Straße geholfen«, könnte es dann heißen.
Und deshalb bewegen sich diese Worte zwischen Sinn und Unsinn. Sie machen den Unsinn erst produktiv. Denn dieser Un-Sinn, das im ersten Moment Unbegreifliche, Verwirrende, wird einem Sinn zugeführt und vielleicht von einem anderen Punkt als zuvor betrachtet. Genauso verhält es sich mit dem Nichtkönnen, wie es Sloterdijk beschreibt: »Nur wer weiß, was man tut, wenn nichts zu machen ist, verfügt über hinreichend effiziente weiterlaufende Lebensspiele […]«.
Hallo Welt! Lass dir von uns über die Straße helfen.

Fotos der Flurgespräche auf Flickr.
www.flurgespraeche.wordpress.com

upcoming: Flurgespräche 7

Für die kommenden Flurgespräche ist ein neues Gesprächsdesign geplant. Ein Experiment, auf das wir gespannt sein dürfen.

Hallo Welt! – Ob Lehrender oder Studierender: Wir brauchen eure Produktionen in genau 3 Minuten. Denkt laut, steht auf, provoziert, stoßt an, redet, zeigt etwas, fragt, regt euch auf, klagt an, lobt oder macht irgendetwas. Alle Medien sind möglich. Wir bieten: einen Tisch, einen Stuhl, etwas Technik und ein Publikum.
Auftakt: Projektvorstellung »Zwischen Menschen« von Alrun Krauß mit dem Kurzfilm »Zwischen Menschen. Über Wendungen einer Idee«


10. Mai um 18.30 Uhr im Flur der August-Bebel-Straße 20

(Institut für Kunst- und Musikwissenschaft der TU Dresden)

Informelle Anmeldungen für Beiträge (Name/E-Mail/Medien) über den Briefkasten des Offenen Bücherregals oder per E-Mail.
www.flurgespraeche.wordpress.com

Kontakt: flurgespraeche@gmail.com

Taggen lässt sich »Hallo Welt!« großartig, wie sich oben unschwer erkennen lässt. Und vielen Usern ist »Hello World!« von der Ersteinrichtung eines Blogs bekannt. Damit verknüpft ist die Hallo-Welt-Thematik auch in der Programmiersprache wiederzufinden: »Ein Hallo-Welt-Programm ist ein kleines Computerprogramm und soll auf möglichst einfache Weise zeigen, welche Anweisungen oder Bestandteile für ein vollständiges Programm in einer Programmiersprache benötigt werden und somit einen ersten Einblick in die Syntax geben. Aufgabe des Programms ist, den Text Hallo Welt! oder auf Englisch Hello World! auszugeben. Wegen der einfachen Aufgabenstellung eignen sich solche Programme insbesondere für didaktische Zwecke.«
(http://de.wikipedia.org/wiki/Hallo-Welt-Programm)

kiss_2011_online!

Die kiss-Publikation zum Thema »Kunst und aktuelle Medienkultur in der Schule 3« steht nun zum Download bereit. Das Heft bietet in seiner Aktualität einiges an Keywords für ästhetische Bildung in der Schule und außerhalb…
Und darum wieder: »Schade, schon vorbei«. (herrmeyer)

Der Text über das Dresdner Projekt »Processing2010. Cultural Hacking und Kunstunterricht 2.0« ist hier zu finden…

3/4/11-21/5/11: Werkschau ART EDUCATION DD


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