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CYNETART 2011



„Die 15. Ausgabe des Festivals für computergestützte Kunst CYNETART stand ganz im Zeichen des vor 100 Jahren eröffneten Festspielhauses Hellerau. Das speziell von Heinrich Tessenow für die proklamierte „Befreiung des Körpers“ entworfene Gebäude wird vom 16. bis 26. November 2011 in ein Raum-Labor verwandelt, in dem kulturelle, künstlerische und wissenschaftlich-technische Dimensionen heutiger wie künftiger Körperwahrnehmung erfahrbar werden. An der Schnittstelle zwischen Natürlichkeit und Künstlichkeit konnten Besucher innerhalb verschiedenster Versuchsanordnungen ihre Leiblichkeit neu oder anders erfahren.“ (Quelle: CYNETART Festival 2011)

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In drei Minuten

Die 7. Flurgespräche unter dem Titel »Hallo Welt!« waren mit ihrem neuartigen Gesprächsdesign ein voller Erfolg. Nach der Vorstellung des Projekts »ZwischenPunktMenschen« durch Alrun Krauß war das Publikum gefragt, in drei Minuten eigene Beiträge zu liefern. Es wurden kurze Videoclips gezeigt, Tagebucheinträge des Jahres 1986 über Tschernobyl und seine Auswirkungen vorgetragen, die Anwendung eines Nikotinpflasters gezeigt, performativ interagiert und dabei der Flur unter Wasser gesetzt, Sammelfiguren vorgestellt, 46 Musikstücke in drei Minuten abgespielt oder die große Pro-Anti-Welle aktueller politischer/ökologischer/wirtschaftlicher Strömungen in einer drei-minütigen Aufzählung gefoppt. Die Mischung zwischen Spaß und Ernst war kennzeichnend.

»Nehmen Sie an, die Sintflut fällt unter Blitz und Donner vom Himmel auf Ihr Blätterdach, dann können Sie, wenn sich das Unwetter überhaupt überstehen lässt, es besser überstehen, wenn Sie ein Lied für den Wettergott rezitieren. Es ist nicht wichtig, dass Sie selber Wetter machen können, – auch die modernen Techniken reichen noch nicht ganz bis dorthin -, sondern dass Sie eine Technik kennen, bei schlechtem Wetter in Form zu bleiben; es muss in Ihrer Kompetenz liegen, auch dann etwas zu tun, wenn man ansonsten nichts tun kann. Nur wer weiß, was man tut, wenn nichts zu machen ist, verfügt über hinreichend effiziente weiterlaufende Lebensspiele, die ihm dabei helfen, nicht in auflösende Panik oder seelentötende Starre zu verfallen. Gekonntes Nichtkönnen stiftet eine Art Leerlaufverhalten oder einen Parallelprozess, in dem das Leben auch in Gegenwart des Ohnmächtigmachenden weitergehen kann.« (Peter Sloterdijk, Sven Voelker: DER WELT ÜBER DIE STRAßE HELFEN. Designstudien im Anschluss an eine philosophische Überlegung. München 2010, S. 13.)

»DER WELT ÜBER DIE STRAßE HELFEN«. Dieser Satz impliziert ein Provisorium, etwas Gebautes, etwas Hinkendes, er steht für Kreativität (im ursprünglichen Sinn, als die Schaffung von etwas Neuem aus etwas Altem, nicht das heute häufig missbrauchte Wort für ›hübsche‹ Tonklumpen oder Sparkassen-Vorraum-Kunst u.a.), er ist eine Ironie und in gewisser Weise sarkastisch. Ein Witz für den Fortschritt. Jede/Jeder kann der Welt über die Straße helfen. So könnte der Titel dieses Buches aber auch zum Slogan avancieren oder mutieren. Ein wunderbarer Titel. Stellen wir ihn uns in einer Werbung vor, für das ultimativ Neue oder Andere, für eine Entscheidung, ein Produkt, für Protest, eine Technik oder Technologie, für einen ökologischen/ökonomischen/politischen oder sozialen Fortschritt oder eine Veränderung: »Heute haben wir der Welt aber wieder über die Straße geholfen«, könnte es dann heißen.
Und deshalb bewegen sich diese Worte zwischen Sinn und Unsinn. Sie machen den Unsinn erst produktiv. Denn dieser Un-Sinn, das im ersten Moment Unbegreifliche, Verwirrende, wird einem Sinn zugeführt und vielleicht von einem anderen Punkt als zuvor betrachtet. Genauso verhält es sich mit dem Nichtkönnen, wie es Sloterdijk beschreibt: »Nur wer weiß, was man tut, wenn nichts zu machen ist, verfügt über hinreichend effiziente weiterlaufende Lebensspiele […]«.
Hallo Welt! Lass dir von uns über die Straße helfen.

Fotos der Flurgespräche auf Flickr.
www.flurgespraeche.wordpress.com

upcoming: Flurgespräche 7

Für die kommenden Flurgespräche ist ein neues Gesprächsdesign geplant. Ein Experiment, auf das wir gespannt sein dürfen.

Hallo Welt! – Ob Lehrender oder Studierender: Wir brauchen eure Produktionen in genau 3 Minuten. Denkt laut, steht auf, provoziert, stoßt an, redet, zeigt etwas, fragt, regt euch auf, klagt an, lobt oder macht irgendetwas. Alle Medien sind möglich. Wir bieten: einen Tisch, einen Stuhl, etwas Technik und ein Publikum.
Auftakt: Projektvorstellung »Zwischen Menschen« von Alrun Krauß mit dem Kurzfilm »Zwischen Menschen. Über Wendungen einer Idee«


10. Mai um 18.30 Uhr im Flur der August-Bebel-Straße 20

(Institut für Kunst- und Musikwissenschaft der TU Dresden)

Informelle Anmeldungen für Beiträge (Name/E-Mail/Medien) über den Briefkasten des Offenen Bücherregals oder per E-Mail.
www.flurgespraeche.wordpress.com

Kontakt: flurgespraeche@gmail.com

Taggen lässt sich »Hallo Welt!« großartig, wie sich oben unschwer erkennen lässt. Und vielen Usern ist »Hello World!« von der Ersteinrichtung eines Blogs bekannt. Damit verknüpft ist die Hallo-Welt-Thematik auch in der Programmiersprache wiederzufinden: »Ein Hallo-Welt-Programm ist ein kleines Computerprogramm und soll auf möglichst einfache Weise zeigen, welche Anweisungen oder Bestandteile für ein vollständiges Programm in einer Programmiersprache benötigt werden und somit einen ersten Einblick in die Syntax geben. Aufgabe des Programms ist, den Text Hallo Welt! oder auf Englisch Hello World! auszugeben. Wegen der einfachen Aufgabenstellung eignen sich solche Programme insbesondere für didaktische Zwecke.«
(http://de.wikipedia.org/wiki/Hallo-Welt-Programm)

Partizipation im Studium 3.0

Über Do It Yourself @ Kunstpädagogik – Open Space vom 12.Juli 2010

»Die Universiät müßte also auch der Ort sein, an dem nichts außer Frage steht: Die gegenwärtige und determinierte Gestalt der Demokratie sowenig wie selbst die überlieferte Idee der Kritik als theoretischer Kritik, ja noch die Autorität der Form ›Frage‹, des Denkens als ›Befragung‹. Darum habe ich unverzüglich und unverhohlen von Dekonstruktion gesprochen.« (Derrida, Jaques: Die unbedingte Universität. In: Unbedingte Universitäten. Was ist Universität? Texte und Positionen zu einer Idee. Zürich 2010, S.187-196, S. 190.) Die Kultur des Fragens oder besser des Infragestellens sollte längst Eintritt erhalten haben in alle sozialen, gesellschaftlichen und politischen Bereiche, in die Bildung sowieso. Die letzten Flurgespräche boten Anlass und Zeit, über eigene Ideen und Vorschläge einer nächsten Universität sowie deren Ausbildungsstrukturen, vor allem im Bereich Kunstpädagogik, zu diskutieren. Die eigene Perspektive in diesem Zusammenhang zur Disposition zu stellen, bedingt gewiss, reflexiv auf andere oder auf unerwartete Fragestellungen reagieren zu können. Aber: Die Frage und dann?

In einem, weit mehr als spontanem, Interview einer BA-Studentin offenbarte sich zu Beginn der üble Zeit-Credit-Nutzen-Faktor als Hauptgrund den Mehraufwand von Selbstbestimmung, Mitbestimmung und Eigeninitiativen nicht zu riskieren. Die Grußkarten mit den Dankeshymnen dürfen nach Bologna versendet werden! Unweigerlich kam es daraufhin zur Frage, was es eigentlich heiße, richtig zu studieren. Verständlich, wenn Studium und Leben die Gefahr laufen, parallele Polkappen zu verkörpern. Aber was bedeutet Qualität des Studiums und was kann ein qualitatives Studium beinhalten? Welche Rolle spiele ich dabei? »Die Selbstmobilisierung des unternehmerischen Selbst bedeutet denn auch, daß man Vertrauen in das eigene Urteil setzt und über die Bereitschaft verfügt, dieses Urteil handelnd zu erhärten. Natürlich bedarf es dafür rationaler Planung und Kontrolle, ganz gewiß ist aber auch ein Schritt ins Unbekannte notwendig.« (Masschelein, Jan, Simons, Maarten: Globale Immunität oder Eine kleine Kartographie des europäischen Bildungsraums. Zürich-Berlin 2005, S. 37.)
Und produktive Kollisionen, wache Zukunftsvorstellungen, leichte Utopien, fragende Haltungen, angebrochene Bildungsvisionen und pragmatische Überlegungen führten dann im Gespräch selbstredend zu Ideen eigener Mitbestimmung sowie aktiver und forschender Teilhabe am eigenen Studium. Im Denken von Möglichkeiten eröffneten sich Räume, die wir zu betreten begannen. Und noch ein umso größerer Schritt ins Unbekannte wird dafür vielleicht auch gegangen werden müssen. Aber das macht ja den Charakter von Bildungsprozessen aus – zum Glück.

Das Gespräch wurde aufgezeichnet und wird demnächst, wie auch die entstandenen Materialien der weiteren Gruppen (Twitterwall, analoge Textdokumentationen…), durch eine kleine Redaktion ausgewertet und in eine Publikationsform gebracht. Darauf können wir gespannt sein. Als Leitgedanke dürfte Derridas Frage »Was morgen geschehen könnte […]« von Nutzen sein. (Untertitel seines Vortrags »Die Zukunft der profession oder Die bedingte Universität«, 1998.) Die »Jungen Forscher« von Barthes – sowieso!

Try It: Augmented Reality

Augmented Reality_ Windräder [Webcam] ge.ecomagination.com

Das Physische und das Virtuelle verschmelzen ineinander. Mit der eigenen Webcam wird die erweiterte Realität für jeden zum Greifen nah – auf www.ge.ecomagination.com ist dies ganz leicht möglich. Die von mir geschossenen Screenshots geben einen ersten Eindruck – ein interaktives Tool, das Impulse gibt: für Wirtschaft, Schule und Universität.

Kunst als Interface [Sylvia Eckermann und Gerald Nestler]


»The Trend Is Your Friend«
Idea, Concept, Artwork: Sylvia Eckermann
Concept, Research, Text: Gerald Nestler
Sound architecture: Peter Szely

MedienKunstlabor Graz Kunsthaus Graz, 2009
In Kooperation mit: steirischer herbst 09
The Institute for Computer Graphics and Vision, Graz (TUG)
The Institute of Electronic Music and Acoustics, Graz (KUG)

»Econociety«, System, Wirtschaft, Konsum, Subjekt, Derivate, Brands, Trends, Raum, Informationsarchitekturen, Teams, Virtualität.

Mit großformatigen Untersuchungen und komplex verarbeiteten Strukturanalysen, verortet uns Gerald Nestler in Räume, in denen uns Kunst als Interface zwischen Wirtschaft, Mensch und Welt begegnet. Nun treffen wir dabei auf keine mimetischen Abbildungen gegenwärtiger Prozesse, sondern viel eher auf das Neue oder anders Zusammengefügte, auf virtuelle Informationsarchitekturen, auf einen Avatar, wir schreiten »hinein in unendlich marginale Räume, hinaus aus der zentralperspektivischen Normalwelt der ErdbewohnerInnen – in den Spiegel hinein« (Gerald Nestler. Derivative Narative. In: sonance.artistic.network (Hrsg.). RE. SONANCE. NETWORK. MISSION. 007, Wien 2007, S. 148.)
Bereits die Auflösung des Künstlermythos‘ hin zur Arbeit in Produktionsteams, in denen sich Experten aus verschiedensten Bereichen zusammenfinden, um eine komplexe Medieninstallation umzusetzen, zeigt »wie Zukunft Gegenwart schafft und Optionen sich als Kunst darstellen.« (Untertitel seines Artikels »Heavy Rotation System« im Kunstforum International, Band 200.) Kooperation statt Konkurrenz. Gerade das macht ihn für den Kunstmarkt (bewusst?!) sperrig.

»The Trend Is Your Friend« (MedienKunstlabor Graz, 2009) ist eine der aktuellsten Arbeiten von Sylvia Eckermann und Gerald Nestler (+ Sound Architecture: Peter Szely). Der Titel stammt von einer mehr oder weniger antiquierten Börsenweisheit. Den TeilnehmerInnen dieser interaktiven Installation ist es, wie in all ihren Arbeiten erlaubt, sich der eigenen Macht bewusst zu werden. Zusammenhänge und Bedeutungen können selbst konstruiert werden. »[…] die Individuen zirkulieren nicht in ihren Maschen, sondern sind auch stets in einer Position, in der sie diese Macht zugleich erfahren und ausüben; sie sind niemals die unbewegliche und unbewusste Zielscheibe dieser Macht, sie sind stets ihre Verbindungselemente. Mit anderen Worten: die Macht wird nicht auf Individuen angewandt, sie geht durch sie hindurch.« (Michel Foucault. Dispositive der Macht. Berlin, 1978, S. 82f.) Eckermanns und Nestlers Koproduktionen bieten keine vorgefertigten Lösungen, sondern sind offene Reflektionsräume. Deren Vorteile sind immens. SchülerInnen selbst könnten solche Räume schaffen, indem sie die Systeme, in denen sie eingeschrieben sind und zwischen denen sie oszillieren, dekonstruieren. Oder System hacking betreiben! Den Raum als Avatar sehen. Oder in der augmented reality arbeiten? Es können, wie beispielsweise in »The Trend Is Your Friend«, Informationsarchitekturen entstehen, die eigens geplant sind und somit eine offene Annäherung an Welt zulassen. Wo befinde ich mich, wann? Was konsumiere ich? Was mache ich? Wie? Und warum? Das Know Why, ja die Deutung von Systemcodes, der Prozess des Strukturierens und des Reflektierens hat hier besondere Bedeutung. Offene Reflektionsräume könnten dann zum Gegenstand aktueller (Selbst-)Bildung werden.

Web 2.0, Twitter und Schule.

Die Möglichkeiten des Einsatzes von social software in der Schule sind nahezu unbegrenzt. Im privaten (realen) Leben sind twittern, bloggen und Co bereits eingeübte Praxis. Internet gibt es fast überall und Handys auch in jeder Tasche. Durch die Einbindung virtueller Plattformen sowie bereits vorhandener sozialer Netzwerke könnte Schule und Unterricht nicht nur lebensnaher ablaufen, sondern im Kurs bleiben und dadurch an real-gegenwärtige Entwicklungen, die u.a. auch in den Köpfen der SchülerInnen präsent sind, anschließen. Nicht nur wir sondern auch die Schule könnte sich mit allem vernetzen, was die Welt anbietet. Warum nicht twittern vom Unttericht, über die Straße, bis ins eigene Zimmer?


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