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Processing-Workshop zum BuKo12 Part06

Im Rahmen der Tagungsreihe zum Bundeskongress der Kunstpädagogik 2010-2012 (BuKo12) fand gestern und vorgestern der Part06 „Kunst und aktuelle Medienkultur in der Schule“ in Dresden statt. „Die Fachtagung dient der Präsentation und Reflexion der Prozesse und Ergebnisse von “kiss” durch die Beteiligten und zugleich der Fortbildung von Kunstlehrerinnen und Kunstlehrern. Die beteiligten Lehrerinnen und Lehrer sollen anschließend als Multiplikatoren wirken, indem sie die vorgestellten Konzepte in ihre Unterrichtspraxen übertragen und Kolleginnen und Kollegen infizieren.“ Kiss-Stipendiaten gaben Workshops für Lehrerende, Referendare, Studierende oder Interessierte, in denen sie ihre Unterrichtsideen- und -projekte präsentierten.

Recycling als Prinzip
Im Workshop 1 processing. recycling und kunstunterricht 2.0 (Leitung: Robert Hausmann und Matthias Laabs) wurde das Projekt Processing2010 vorgestellt, anhand zahlreicher Inputs wie erweiterte Übungen und Experimente aus dem Projekt oder Exkursen in die aktuelle Kunst, Medien-, Jugend- und Alltagskultur. Aufgegriffen und diskutiert wurde dabei die Notwendigkeit der Arbeit mit den Neuen Medien (Social Media des Web 2.0 wie Blog oder Twitter) im Kunstunterricht. Zum Tragen kamen aber auch die für das Projekt relevanten Begriffe Processing, d.h. die Verarbeitung von Daten und Codes in physischen und virtuellen Räumen, Recycling und Cultural Hacking. So muss Recycling, im Sinne von Wiederverwertung, als ein generelles kunstpädagogisches Prinzip gedacht werden. Denn Neues wird nicht aus dem Nichts geschaffen, es besteht „[…] immer aus Altem, aus Zitaten, Verweisen auf die Tradition, Modifikationen und Interpretationen des bereits Vorhandenen.“ (Boris Groys: Über das Neue. Versuch einer Kulturökonomie. München 1992, S. 67) Cultural Hacking kann dafür Methoden liefern und die Produktion neuer Lesarten z.B. im Kunstunterricht anregen.

Überforderung nervt!? „Didaktische Multiplikation“ statt Reduktion
Die TeilnehmerInnen des Workshops wurden wie die SchülerInnen des Projekts in eine Situation der Überforderung versetzt. Dahinter steht folgendes Prinzip: Durch Überfrachtung mit Informationen in praktischen und theoretischen Inputs (Übungen, Experimente, Materialerprobungen, Vorstellungen und Vorträge…) und dem Aufzeigen zahlreicher Beispiele aus Kunst, Medien und Alltag als Zeichen der Pluralität und Komplexität eines Themas wird bei jedem Einzelnen je nach Vorbildung eine Filterung initiiert und dadurch auch eine Ideenfindung in Gang gesetzt. Durch dieses Überangebot wird jede/r mit dem eigenen Wissen und Nichtwissen konfrontiert. Das stachelt an. Und darin liegen produktive Anreize.

Was bleibt?

Die Inputs des Workshops wollten Anstöße für Ideen und Gedanken in Bezug auf Schule und Unterricht liefern. Die ersten Outputs wurden über den Processing-Twitteraccount auf einer Twitterwall gesammelt und am Ende der Tagung in drei Minuten vorgestellt. Darunter folgendes:

… Wir sind gespannt, was daraus wird.

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upcoming: Flurgespräche 7

Für die kommenden Flurgespräche ist ein neues Gesprächsdesign geplant. Ein Experiment, auf das wir gespannt sein dürfen.

Hallo Welt! – Ob Lehrender oder Studierender: Wir brauchen eure Produktionen in genau 3 Minuten. Denkt laut, steht auf, provoziert, stoßt an, redet, zeigt etwas, fragt, regt euch auf, klagt an, lobt oder macht irgendetwas. Alle Medien sind möglich. Wir bieten: einen Tisch, einen Stuhl, etwas Technik und ein Publikum.
Auftakt: Projektvorstellung »Zwischen Menschen« von Alrun Krauß mit dem Kurzfilm »Zwischen Menschen. Über Wendungen einer Idee«


10. Mai um 18.30 Uhr im Flur der August-Bebel-Straße 20

(Institut für Kunst- und Musikwissenschaft der TU Dresden)

Informelle Anmeldungen für Beiträge (Name/E-Mail/Medien) über den Briefkasten des Offenen Bücherregals oder per E-Mail.
www.flurgespraeche.wordpress.com

Kontakt: flurgespraeche@gmail.com

Taggen lässt sich »Hallo Welt!« großartig, wie sich oben unschwer erkennen lässt. Und vielen Usern ist »Hello World!« von der Ersteinrichtung eines Blogs bekannt. Damit verknüpft ist die Hallo-Welt-Thematik auch in der Programmiersprache wiederzufinden: »Ein Hallo-Welt-Programm ist ein kleines Computerprogramm und soll auf möglichst einfache Weise zeigen, welche Anweisungen oder Bestandteile für ein vollständiges Programm in einer Programmiersprache benötigt werden und somit einen ersten Einblick in die Syntax geben. Aufgabe des Programms ist, den Text Hallo Welt! oder auf Englisch Hello World! auszugeben. Wegen der einfachen Aufgabenstellung eignen sich solche Programme insbesondere für didaktische Zwecke.«
(http://de.wikipedia.org/wiki/Hallo-Welt-Programm)

Und einmal mehr hat sich wieder unter Beweis gestellt, dass Bildung durch Bilder nicht immer bildet. Was ist Bild? Was ist Kunst? Und was bin ich vor bzw. in einem Bild? Bezugnehmend auf das vergangene Seminar einige theoretische Annäherungen.

Dank des guten Herrn Debray und seinem Cours de médiologie générale werden wir zwar theoretisch in das videosphärische Medien- bzw. Bildverständnis gedacht, bleiben dennoch oft genug gedanklich und daraus resultierend praktisch und kunstpädagogisch agierend in der Graphosphäre kleben, die sich laut Debray auf die Erfindung des Buchdrucks datieren lässt. Hierzu folgender Ausschnitt der norwegischen TV-Show »Østein & Meg« aus dem Jahr 2001.

Zurück zum Anfang. Der Mediologe Régis Debray unterscheidet drei große Zeitalter, die er allgemein unter dem Begriff Mediosphären zusammenfasst: Logosphäre (Bild=was Lebendiges=Präsenz=Index=z.Bsp. Relique=Index), Graphosphäre (Bild=eine Sache=ein Abbild=Ikon=z.Bsp. Portait des Heiligen) und Videosphäre (Bild=Wahrnehmung=Symbol=Plural). Unter Mediosphären versteht er kulturelle Makromilieus, die sich nicht nur, wie der Wortstamm Medio vielleicht vermuten lassen könnte, durch ihre medientechnologische Prägung und deren Veränderungen unterscheiden. Insbesondere entwickeln sie sich aus dem Verbund von symbolischen Formen (einem künstlerischem Genre, einer ästhetischen Form, einer Glaubensrichtung etc.), Medien und kollektiver Organisation (einer Partei, einer Schule, einem Industriezweig etc.) heraus.

Wenn Robin Rhode nun, die durch einen schnellen Strich an die Wand gezeichnete Gitarre auf der daneben gezeichneten Box versucht zu zerschlagen, bzw. das Plenum des Seminars »In Bewegung« eine Interaktion mit einem an die Wand projizierten Kühlschrank versucht einzugehen, beginnen beide ein einst graphosphärisches Problem hypersphärisch zu lösen.
Es gibt aber nicht die eine Lösung und auch nicht mehr Bild im Singular. Bilder werden im Plural gedacht. Laut Torsten Meyer, Professor für Kunst und ihre Didaktik an der Universität Köln, handelt es sich bei den pluralen Bildformen eben nicht mehr nur um das Ikonische, das Schöne, das Meisterwerk – um ein graphosphärisches Bildverständnis in dem sich Produzent und Rezipient genau in einem Punkt treffen – sondern eher um den symbolischen Umgang mit Bildern, um Bild als Wahrnehmung, um Perspektive im Plural.

Mehr u. a. in: Randgänge des Symbolischen – Kunst und aktuelle Medienkultur. In: BDK e.V. Fachverband für Kunstpädagogik und Siemens Arts Program (Hg.): Kunst und aktuelle Medienkultur in der Schule. Fünf Unterrichtseinheiten zu den Künstlern Com & Com, Dellbrügge & de Moll, Bjørn Melhus, Peter Piller, Robin Rhode. München 2009, S. 6-15.


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