Posts Tagged 'Komplexität'

Entdeckt…

Schon eine (ganze) Weile ‚raus, aber jetzt erst in den Händen – lohnt sich!

• Christoph Jacke, Eva Kimminich, Siegfried J. Schmidt (Hrsg.): Kulturschutt: über das Recycling von Theorien und Kulturen. Bielefeld 2006. Wie immer, wunderbar, von transcript.
Recycling in den Cultural Studies. Die „Müllmetapher“? Über Remakes, Re-enactments und Samplings, v.a. auch jugendkulturell.

• Judith Mair, Silke Becker: Fake for Real: Über die private und politische Taktik des So-tun-als-ob. Frankfurt/Main 2005.
Teilweise herrlich überzogen/polarisierend und essayistisch, voller Witz und Ernst, mit Tiefen. Alles in allem: Differenziertes und ironisierendes Zusammendenken verschiedender Lebensbereiche: „Wo das Fiktive wirklicher scheint als das Reale, die Kopie echter als das Orginal und das Authentische als dumpfe Pose daherkommt, kann es nur eine Antwort geben: So-tun-als-ob. Das Als-ob flickt die Lücken zwischen Anspruch und Wirklichkeit – und ermöglicht so ein richtiges Leben im Falschen und ein politisches im Unpolitischen. Zugleich wird die Fälschung zur subversiven Protestform: Fake For Real – die neue Kür, wenn es um Einmischung in geschlossene Systeme geht. Denn wo sich Nichtverstandensein als Zustimmung tarnt und Kritik in das Camouflage-Outfit des Konsens schlüpft, gilt: Du kannst dir niemals sicher sein… Aus der Innenperspektive beschreiben die Autorinnen, wie die neuen Protest- und Überlebensformen in Politik und Alltag aussehen.“ (Klappentext)

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Die 10. Flurgespräche

Die Flurgespräche feiern die „10“. Zu Gast ist diesmal Jun.-Prof. Dr.-Ing. Jörg Rainer Noennig vom Center for Knowledge Architecture der TU Dresden. Architektur verfügt über griffige Modelle und Denkweisen, mit denen Probleme nicht nur architektonischer Art bearbeitet und gelöst werden können. 3D Verräumlichung, Modellierung und Materialisierung eröffnen neue Perspektiven und Zugänge auf komplexe Aufgabenstellungen – und oft überraschend einfache Lösungen.

Jörg Rainer Noennig ist ausgebildeter Architekt und seit 2009 Juniorprofessor für Wissensarchitektur an der TU Dresden. Er hat in Weimar, Krakow und Tokyo studiert und mehrere Jahre in Japan gearbeitet.

Datum: 2.11.2011 um 18.30 Uhr
Ort: August-Bebel-Straße 20 (Institut für Kunst- und Musikwissenschaft TU Dresden)

Blue Ball Machine jetzt auch im real-life!

upcoming: Flurgespräche 7

Für die kommenden Flurgespräche ist ein neues Gesprächsdesign geplant. Ein Experiment, auf das wir gespannt sein dürfen.

Hallo Welt! – Ob Lehrender oder Studierender: Wir brauchen eure Produktionen in genau 3 Minuten. Denkt laut, steht auf, provoziert, stoßt an, redet, zeigt etwas, fragt, regt euch auf, klagt an, lobt oder macht irgendetwas. Alle Medien sind möglich. Wir bieten: einen Tisch, einen Stuhl, etwas Technik und ein Publikum.
Auftakt: Projektvorstellung »Zwischen Menschen« von Alrun Krauß mit dem Kurzfilm »Zwischen Menschen. Über Wendungen einer Idee«


10. Mai um 18.30 Uhr im Flur der August-Bebel-Straße 20

(Institut für Kunst- und Musikwissenschaft der TU Dresden)

Informelle Anmeldungen für Beiträge (Name/E-Mail/Medien) über den Briefkasten des Offenen Bücherregals oder per E-Mail.
www.flurgespraeche.wordpress.com

Kontakt: flurgespraeche@gmail.com

Taggen lässt sich »Hallo Welt!« großartig, wie sich oben unschwer erkennen lässt. Und vielen Usern ist »Hello World!« von der Ersteinrichtung eines Blogs bekannt. Damit verknüpft ist die Hallo-Welt-Thematik auch in der Programmiersprache wiederzufinden: »Ein Hallo-Welt-Programm ist ein kleines Computerprogramm und soll auf möglichst einfache Weise zeigen, welche Anweisungen oder Bestandteile für ein vollständiges Programm in einer Programmiersprache benötigt werden und somit einen ersten Einblick in die Syntax geben. Aufgabe des Programms ist, den Text Hallo Welt! oder auf Englisch Hello World! auszugeben. Wegen der einfachen Aufgabenstellung eignen sich solche Programme insbesondere für didaktische Zwecke.«
(http://de.wikipedia.org/wiki/Hallo-Welt-Programm)

Kunst als Interface [Sylvia Eckermann und Gerald Nestler]


»The Trend Is Your Friend«
Idea, Concept, Artwork: Sylvia Eckermann
Concept, Research, Text: Gerald Nestler
Sound architecture: Peter Szely

MedienKunstlabor Graz Kunsthaus Graz, 2009
In Kooperation mit: steirischer herbst 09
The Institute for Computer Graphics and Vision, Graz (TUG)
The Institute of Electronic Music and Acoustics, Graz (KUG)

»Econociety«, System, Wirtschaft, Konsum, Subjekt, Derivate, Brands, Trends, Raum, Informationsarchitekturen, Teams, Virtualität.

Mit großformatigen Untersuchungen und komplex verarbeiteten Strukturanalysen, verortet uns Gerald Nestler in Räume, in denen uns Kunst als Interface zwischen Wirtschaft, Mensch und Welt begegnet. Nun treffen wir dabei auf keine mimetischen Abbildungen gegenwärtiger Prozesse, sondern viel eher auf das Neue oder anders Zusammengefügte, auf virtuelle Informationsarchitekturen, auf einen Avatar, wir schreiten »hinein in unendlich marginale Räume, hinaus aus der zentralperspektivischen Normalwelt der ErdbewohnerInnen – in den Spiegel hinein« (Gerald Nestler. Derivative Narative. In: sonance.artistic.network (Hrsg.). RE. SONANCE. NETWORK. MISSION. 007, Wien 2007, S. 148.)
Bereits die Auflösung des Künstlermythos‘ hin zur Arbeit in Produktionsteams, in denen sich Experten aus verschiedensten Bereichen zusammenfinden, um eine komplexe Medieninstallation umzusetzen, zeigt »wie Zukunft Gegenwart schafft und Optionen sich als Kunst darstellen.« (Untertitel seines Artikels »Heavy Rotation System« im Kunstforum International, Band 200.) Kooperation statt Konkurrenz. Gerade das macht ihn für den Kunstmarkt (bewusst?!) sperrig.

»The Trend Is Your Friend« (MedienKunstlabor Graz, 2009) ist eine der aktuellsten Arbeiten von Sylvia Eckermann und Gerald Nestler (+ Sound Architecture: Peter Szely). Der Titel stammt von einer mehr oder weniger antiquierten Börsenweisheit. Den TeilnehmerInnen dieser interaktiven Installation ist es, wie in all ihren Arbeiten erlaubt, sich der eigenen Macht bewusst zu werden. Zusammenhänge und Bedeutungen können selbst konstruiert werden. »[…] die Individuen zirkulieren nicht in ihren Maschen, sondern sind auch stets in einer Position, in der sie diese Macht zugleich erfahren und ausüben; sie sind niemals die unbewegliche und unbewusste Zielscheibe dieser Macht, sie sind stets ihre Verbindungselemente. Mit anderen Worten: die Macht wird nicht auf Individuen angewandt, sie geht durch sie hindurch.« (Michel Foucault. Dispositive der Macht. Berlin, 1978, S. 82f.) Eckermanns und Nestlers Koproduktionen bieten keine vorgefertigten Lösungen, sondern sind offene Reflektionsräume. Deren Vorteile sind immens. SchülerInnen selbst könnten solche Räume schaffen, indem sie die Systeme, in denen sie eingeschrieben sind und zwischen denen sie oszillieren, dekonstruieren. Oder System hacking betreiben! Den Raum als Avatar sehen. Oder in der augmented reality arbeiten? Es können, wie beispielsweise in »The Trend Is Your Friend«, Informationsarchitekturen entstehen, die eigens geplant sind und somit eine offene Annäherung an Welt zulassen. Wo befinde ich mich, wann? Was konsumiere ich? Was mache ich? Wie? Und warum? Das Know Why, ja die Deutung von Systemcodes, der Prozess des Strukturierens und des Reflektierens hat hier besondere Bedeutung. Offene Reflektionsräume könnten dann zum Gegenstand aktueller (Selbst-)Bildung werden.

Kulturtechnik: hacking

Ohne Frage, hacking ist nicht mehr nur computerbasiert. Umcodieren, Eingreifen, Experimentieren und Zweckentfremden, diese ehemals computertechnischen hacking-Strategien werden im real-life angewendet. Schon längst wird in die unendlichen Weiten des Alltags, des Stadtraums, des Konsums, der Wirtschaft, der Kommunikation und der zwischenmenschlichen Beziehungen gehackt. »Hacker nutzen eben jede Möglichkeit, um eine Botschaft in den Fluss der Codes, Slogans und Logos einzuspeisen, egal ob mit mobilen Endgeräten, multiplen Eingabefenstern oder textilen Oberflächen. Das T-Shirt ist auch nur ein Massenmedium der Fußgängerzone.« (http://carta.info/23060/larsson-millennium-trilogie-hacker/)

Hacken!? In bestehenden sozialen, ökonomischen und kulturellen Ordnungen können Störungen stattfinden, um sich der Konstruktion von Systemen bewusst zu werden, um Mitmenschen aufmerksam zu machen und um dadurch (wenigstens) irgendwelche Denkprozesse in Gang zu setzen.
Einstiegsaufgabe: Ins Zentrum gehen. Mit Absperrband Leute umlenken, blockieren und abbringen. (Absperrung ungültig)

Co-Working-Spaces

In Dresden, Hamburg, Berlin, Leipzig, Köln ist es schon zu Hause: coworking, eine »kreative«, seit einigen Jahren trendsetzende Arbeitsform, die auf Teamkooperation baut. Freiberufliche, ExistenzgründerInnen, KünstlerInnen, InformatikerInnen u.a. schließen sich ohne Bedingungen zusammen. Möglicherweise kommen diese Leute aus total unterschiedlichen Kontexten, Firmen oder Projekten und können dadurch vom Wissen anderer Beteiligter profitieren. Jeder bringt seine Interessen und Fähigkeiten mit – Interaktion und Austausch.

Oder aber coworking people kommen zusammen um so ein ganz eigenes, spartenübergreifendes Projekt zu starten. Die gemeinsamen, nach vorn gerichteten Interessen stehen im Zentrum. Working-spaces sind dabei z.B. eine gemeinsam angemietete Bürofläche, der virtuelle Raum, das home-office oder das Café (Kommunikation über social software). Jeder darf nach eigenem Ermessen arbeiten – unverbindlich und temporär. Das Dresdner Lock Office ist so ein coworking-space; eine Schnittstelle für die Arbeit von morgen?

Das Hallenprojekt, ein »Coworking-Netzwerk für Digitalarbeiter und Orte […] schafft und vernetzt virtuelle und reale Orte für kreatives Arbeiten in ebenso komfortabler wie inspirierender Atmosphäre für jedermann.« (http://hallenprojekt.de/). LockSchuppen (Dresden), mindmatters (Hamburg), Le Space (Leipzig), Studio 70 (Berlin), La Cantine (Paris) u.a. sind solche Räume und Beispiele für zukunftsgerichtetes creative working. Ja auch Marx meinte, dass der Arbeiter sich nicht nur von sich, sondern auch vom erarbeiteten Produkt und seinen Mitmenschen entfernt, wenn er nicht für sich selbst produziere – sich selbst verwirklicht. Kein Chef, keine Hierarchie und keine Konkurrenz? Ein Setzen auf das Humankapital. Und ein Konzept für die Schule?


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