Archiv für Juli 2010

Partizipation im Studium 3.0

Über Do It Yourself @ Kunstpädagogik – Open Space vom 12.Juli 2010

»Die Universiät müßte also auch der Ort sein, an dem nichts außer Frage steht: Die gegenwärtige und determinierte Gestalt der Demokratie sowenig wie selbst die überlieferte Idee der Kritik als theoretischer Kritik, ja noch die Autorität der Form ›Frage‹, des Denkens als ›Befragung‹. Darum habe ich unverzüglich und unverhohlen von Dekonstruktion gesprochen.« (Derrida, Jaques: Die unbedingte Universität. In: Unbedingte Universitäten. Was ist Universität? Texte und Positionen zu einer Idee. Zürich 2010, S.187-196, S. 190.) Die Kultur des Fragens oder besser des Infragestellens sollte längst Eintritt erhalten haben in alle sozialen, gesellschaftlichen und politischen Bereiche, in die Bildung sowieso. Die letzten Flurgespräche boten Anlass und Zeit, über eigene Ideen und Vorschläge einer nächsten Universität sowie deren Ausbildungsstrukturen, vor allem im Bereich Kunstpädagogik, zu diskutieren. Die eigene Perspektive in diesem Zusammenhang zur Disposition zu stellen, bedingt gewiss, reflexiv auf andere oder auf unerwartete Fragestellungen reagieren zu können. Aber: Die Frage und dann?

In einem, weit mehr als spontanem, Interview einer BA-Studentin offenbarte sich zu Beginn der üble Zeit-Credit-Nutzen-Faktor als Hauptgrund den Mehraufwand von Selbstbestimmung, Mitbestimmung und Eigeninitiativen nicht zu riskieren. Die Grußkarten mit den Dankeshymnen dürfen nach Bologna versendet werden! Unweigerlich kam es daraufhin zur Frage, was es eigentlich heiße, richtig zu studieren. Verständlich, wenn Studium und Leben die Gefahr laufen, parallele Polkappen zu verkörpern. Aber was bedeutet Qualität des Studiums und was kann ein qualitatives Studium beinhalten? Welche Rolle spiele ich dabei? »Die Selbstmobilisierung des unternehmerischen Selbst bedeutet denn auch, daß man Vertrauen in das eigene Urteil setzt und über die Bereitschaft verfügt, dieses Urteil handelnd zu erhärten. Natürlich bedarf es dafür rationaler Planung und Kontrolle, ganz gewiß ist aber auch ein Schritt ins Unbekannte notwendig.« (Masschelein, Jan, Simons, Maarten: Globale Immunität oder Eine kleine Kartographie des europäischen Bildungsraums. Zürich-Berlin 2005, S. 37.)
Und produktive Kollisionen, wache Zukunftsvorstellungen, leichte Utopien, fragende Haltungen, angebrochene Bildungsvisionen und pragmatische Überlegungen führten dann im Gespräch selbstredend zu Ideen eigener Mitbestimmung sowie aktiver und forschender Teilhabe am eigenen Studium. Im Denken von Möglichkeiten eröffneten sich Räume, die wir zu betreten begannen. Und noch ein umso größerer Schritt ins Unbekannte wird dafür vielleicht auch gegangen werden müssen. Aber das macht ja den Charakter von Bildungsprozessen aus – zum Glück.

Das Gespräch wurde aufgezeichnet und wird demnächst, wie auch die entstandenen Materialien der weiteren Gruppen (Twitterwall, analoge Textdokumentationen…), durch eine kleine Redaktion ausgewertet und in eine Publikationsform gebracht. Darauf können wir gespannt sein. Als Leitgedanke dürfte Derridas Frage »Was morgen geschehen könnte […]« von Nutzen sein. (Untertitel seines Vortrags »Die Zukunft der profession oder Die bedingte Universität«, 1998.) Die »Jungen Forscher« von Barthes – sowieso!

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Open Space @ Kunstpädagogik

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Am 12. Juli 2010 um 19.00 Uhr finden die dritten Flurgespräche statt. Studierende der Kunstpädagogik werden zu Hauptakteuren. So gibt es einen Open Space zur Selbstbestimmung, Mitbestimmung und Teilhabe am Studium mit hoffentlich sehr produktiven Diskussionen wie Fragestellungen, die zum Weiterdenken anfixen. Unter dem Titel »Do it yourself @ Kunstpädagogik« sind alle Semester eingeladen!


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