Kunst als Interface [Sylvia Eckermann und Gerald Nestler]


»The Trend Is Your Friend«
Idea, Concept, Artwork: Sylvia Eckermann
Concept, Research, Text: Gerald Nestler
Sound architecture: Peter Szely

MedienKunstlabor Graz Kunsthaus Graz, 2009
In Kooperation mit: steirischer herbst 09
The Institute for Computer Graphics and Vision, Graz (TUG)
The Institute of Electronic Music and Acoustics, Graz (KUG)

»Econociety«, System, Wirtschaft, Konsum, Subjekt, Derivate, Brands, Trends, Raum, Informationsarchitekturen, Teams, Virtualität.

Mit großformatigen Untersuchungen und komplex verarbeiteten Strukturanalysen, verortet uns Gerald Nestler in Räume, in denen uns Kunst als Interface zwischen Wirtschaft, Mensch und Welt begegnet. Nun treffen wir dabei auf keine mimetischen Abbildungen gegenwärtiger Prozesse, sondern viel eher auf das Neue oder anders Zusammengefügte, auf virtuelle Informationsarchitekturen, auf einen Avatar, wir schreiten »hinein in unendlich marginale Räume, hinaus aus der zentralperspektivischen Normalwelt der ErdbewohnerInnen – in den Spiegel hinein« (Gerald Nestler. Derivative Narative. In: sonance.artistic.network (Hrsg.). RE. SONANCE. NETWORK. MISSION. 007, Wien 2007, S. 148.)
Bereits die Auflösung des Künstlermythos‘ hin zur Arbeit in Produktionsteams, in denen sich Experten aus verschiedensten Bereichen zusammenfinden, um eine komplexe Medieninstallation umzusetzen, zeigt »wie Zukunft Gegenwart schafft und Optionen sich als Kunst darstellen.« (Untertitel seines Artikels »Heavy Rotation System« im Kunstforum International, Band 200.) Kooperation statt Konkurrenz. Gerade das macht ihn für den Kunstmarkt (bewusst?!) sperrig.

»The Trend Is Your Friend« (MedienKunstlabor Graz, 2009) ist eine der aktuellsten Arbeiten von Sylvia Eckermann und Gerald Nestler (+ Sound Architecture: Peter Szely). Der Titel stammt von einer mehr oder weniger antiquierten Börsenweisheit. Den TeilnehmerInnen dieser interaktiven Installation ist es, wie in all ihren Arbeiten erlaubt, sich der eigenen Macht bewusst zu werden. Zusammenhänge und Bedeutungen können selbst konstruiert werden. »[…] die Individuen zirkulieren nicht in ihren Maschen, sondern sind auch stets in einer Position, in der sie diese Macht zugleich erfahren und ausüben; sie sind niemals die unbewegliche und unbewusste Zielscheibe dieser Macht, sie sind stets ihre Verbindungselemente. Mit anderen Worten: die Macht wird nicht auf Individuen angewandt, sie geht durch sie hindurch.« (Michel Foucault. Dispositive der Macht. Berlin, 1978, S. 82f.) Eckermanns und Nestlers Koproduktionen bieten keine vorgefertigten Lösungen, sondern sind offene Reflektionsräume. Deren Vorteile sind immens. SchülerInnen selbst könnten solche Räume schaffen, indem sie die Systeme, in denen sie eingeschrieben sind und zwischen denen sie oszillieren, dekonstruieren. Oder System hacking betreiben! Den Raum als Avatar sehen. Oder in der augmented reality arbeiten? Es können, wie beispielsweise in »The Trend Is Your Friend«, Informationsarchitekturen entstehen, die eigens geplant sind und somit eine offene Annäherung an Welt zulassen. Wo befinde ich mich, wann? Was konsumiere ich? Was mache ich? Wie? Und warum? Das Know Why, ja die Deutung von Systemcodes, der Prozess des Strukturierens und des Reflektierens hat hier besondere Bedeutung. Offene Reflektionsräume könnten dann zum Gegenstand aktueller (Selbst-)Bildung werden.

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