Über Ordnungen.

Aus dem Inhalt des Besteckkastens (von links nach rechts): Messer aus Metall, Gabeln, große Löffel, kleine Löffel, Messer mit Metallklinge und Plastikgriff, zwei Reagenzgläser. Wer braucht das?

Ordnungen sind Ergebnisse einer Auseinandersetzung mit Welt. Es sind Wahrnehmungsleistungen, die zu einer eigenen Erklärung und Strukturierung der Welt führen können. Nicht immer so einfach wie die Benutzung einer bestehenden Ordnung, sind dabei die Prozesse des Einordnens und Kategorisierens, sie bleiben oft unsichtbar. «Nichts ist tastender, nichts ist empirischer als die Einrichtung einer Ordnung unter den Dingen. Nichts erfordert ein offeneres Auge, eine treuere und besser modulierte Sprache.» (Michel Foucault. Die Ordnung der Dinge. Frankfurt am Main 1974, S. 22.) Die Erstellung neuer Ordnungsprinzipien erfordert Überwindung und Zeit. Welches Schlagwort? Wie ordne ich ein? Und vor allem was? Bereits das Taggen eines Blogartikels stellt mich dabei vor Schwierigkeiten. Anders dagegen verhält es sich beim Social Tagging: das freie Zuordnen von Schlagworten zu einem Inhalt durch LeserInnen, ohne bestimmte Regeln. Eine Form von Ordnung, welche die eines Individuums überschreitet, quasi kollektiv wird.

Ebenso wie Dinge lassen sich aber auch Bilder ordnen. Bilder sind und entstehen überall dort, wo wahrgenommen wird. Demnach lassen sich auch Dinge als Bilder bezeichnen. Jeder kann ordnen, entweder über Inhalte oder formale Aspekte. «Das Erforschen künstlerischer Werke im Netz begann für mich mit dem Auffinden, dem Sammeln, dem Beschreiben und dem Sortieren dieser Werke. Es mussten Ordnungen erfunden werden, um die Vielzahl von Werken in ihrer Heterogenität zu systematisieren und zu kontextualisieren.» (Sara Burkhardt. Das Netz als künstlerisches Medium. Neue Räume für kunstpädagogische Forschung. In: Meyer, Torsten, Sabisch, Andrea (Hrsg.). Kunst Pädagogik Forschung. Aktuelle Zugänge und Perspektiven. Bielefeld 2009, S. 193.)

Die Un- und Mehrdeutigkeiten bestimmter Bilder sperren sich oft gegen eine eindeutige Systematisierung. Neue, eigene Sparten können aufgemacht werden. Ja sogar Verlinkungen, ähnlich Hyperlinks, können unter den Teilen einer Ordnung und den Gliedern zwischen den Ordnungen entstehen. Bestehende, tradierte und sozialisierte Ordnungen und deren Prinzipien müssen dann hinterfragt werden, «um festzustellen, daß diese Ordnungen vielleicht nicht die einzig möglichen oder die besten sind.» (Foucault 1974, S. 23.) Dann entstehen Ordnungen als eigene (Bedeutungs-)Netze.

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